zgedichte.de - Gedichte, Liebesgedichte, Freundschaftsgedichte, Geburtstagsgedichte

Letzte Aktualisierung:
30.07.2010 07:31



zgedichte.de auf facebook


Die weisse Blume


In Vaters Garten heimlich steht
Ein Blümchen traurig und bleich;
Der Winter zieht fort, der Frühling weht,
Bleich Blümchen bleibt immer so bleich.
Die bleiche Blume schaut
Wie eine kranke Braut.

Zu mir bleich Blümchen leise spricht:
Lieb Brüderchen, pflücke mich!
Zu Blümchen sprech ich: Das tu ich nicht,
Ich pflücke nimmermehr dich;
Ich such mit Müh und Not,
Die Blume purpurrot.

Bleich Blümchen spricht: Such hin, such her,
Bis an deinen kühlen Tod,
Du suchst umsonst, findst nimmermehr
Die Blume purpurrot;
Mich aber pflücken tu,
Ich bin so krank wie du.

So lispelt bleich Blümchen, und bittet sehr -
Da zag ich, und pflück es schnell.
Und plötzlich blutet mein Herz nicht mehr,
Mein innres Auge wird hell.
In meine wunde Brust
Kommt stille Engellust.

Heinrich Heine
(* 13.12.1797 , † 17.02.1856)



Bewertung: 0/5
(0 Stimmen gezählt)




Kommentare





Es sind keine Kommentare vorhanden!





-Werbung-